Haltung

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Vogelspinnen sind Wirbellose, die sehr anspruchslos in Sachen Futterbedarf, Platzbedarf, Terrarium und Technik sind. Selbst bei einem Vogelspinnenbestand im zweistelligen Bereich, ist der Haltungsaufwand minimal. Sie sind daher das perfekte "Haustier", wenn es um Tiere zum Beobachten und weniger zum Anfassen geht. Die Anschaffungskosten von sehr jungen Exemplaren (Spiderlingen) sind gering, sofern man eine Art wählt, die oft nachgezüchtet wird. Laufende Kosten gibt es fast keine.

Brachypelma smithi VogelspinnePoecilotheria metallica VogelspinneChromatopelma cyaneopubescens Vogelspinne


Terrarium


Vogelspinnen ist es egal, ob sie in einem Glasterrarium oder in einem billigen Plastikbehälter aus dem nächsten Baumarkt leben. Sie sind trotz ihrer acht Augen fast blind und nehmen daher ihre Umgebung eher durch die anderen Sinne wahr, allen voran durch den Tastsinn.

Pflanzen


Eine Vogelspinne kümmert es daher auch nicht, ob sich im Terrarium Pflanzen, Kunstpflanzen oder gar keine Pflanzen befinden. Echte Pflanzen tragen jedoch positiv zum Mikroklima bei und sind natürlich auch schön anzusehen.

Form


Als Lauerjäger benötigt eine Vogelspinne nur wenig Platz, da sie ihr ganzes Leben in und vor ihrer Höhle verbringt. Lediglich adulte Männchen begeben sich nach ihrer letzten Häutung (Reifehäutung) auf die Suche nach einem Weibchen.

Die Form des Behälters ist von der Vogelspinnenart abhängig.

Für die meisten Bodenbewohner reicht ein flacher Behälter mit einer Grundfläche von 30cm x 30cm für ein ausgewachsenes Exemplar. Für sehr groß werdende Arten (z.B. Theraphosa blondi), sollten es schon 45cm x 45cm sein.

Baumbewohner wie Avicularia spp. benötigen weniger Grundfläche aber dafür höhere Behälter. Eine Höhe von 30-45cm ist bei adulten Baumbewohnern ausreichend.

Erd- und Röhrenbewohner benötigen ebenfalls wenig Grundfläche und mehr Höhe, welche jedoch fast vollständig genutzt wird, um so viel Bodengrund wie möglich einzufüllen. Als Glasterrarien eignen sich hier vor allem die Haplopelma Spezialbecken (auch "Haplotanks" bzw. "Haplo-Tank" genannt), mit Doppelbelüftung und horizontalem Schiebeglas. Haplo-Tanks Für kleine Spiderlinge reicht bei Bodenbewohnern eine Heimchendose. Bei Baum-, Erd- und Röhrenbewohnern macht jedoch eine hohe Plastikdose mehr Sinn (z.B. eine 2L Plastikflasche ohne Flaschenhals).

Hohe Plastikdosen/flaschen für SpiderlingeHohe Plastikboxen zur Aufzucht von Vogelspinnen


Bodengrund


Als Bodengrund eignet sich normale grabfähige Walderde, die zum einen kostenlos ist und zum anderen gleich nützliche Mikroorganismen mitbringt. Alternativ kann man auch Blumenerde verwenden, wobei es hier Qualitätsunterschiede gibt. Es lohnt sich ein Blick in den Test von 2004 der Stiftung Warentest, welcher "heftige Qualitätsschwankungen entlarvt" und u.a. die Volumenbeständigkeit beim Trocknen, den Nährstoffgehalt (Stickstoff, Phosphor, Kalium) sowie den Säuregehalt untersucht hat. Während die Volumenbeständigkeit mit guter Grabfähigkeit auch bei trockener Haltung einhergeht, sind die anderen Eigenschaften für die Ansiedlung von Mikroorganismen (Springschwänze, Weiße Asseln, etc.) und Pflanzen brauchbar.

Luftfeuchtigkeit


Die benötigte Luftfeuchtigkeit ist abhängig von der Herkunft der Vogelspinnenart und wird je nachdem durch sparsames oder großzügiges Gießen des Bodengrundes erreicht. Bei Arten, die eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit benötigen (z.B. Theraphosa blondi aus dem brasilianischen Regenwald), macht ein zusätzlicher Wassernapf Sinn.

Arten wie zum Beispiel Pterinochilus murinus (Ostafrika) oder Brachypelma smithi (Mexico) können komplett trocken gehalten werden. Ein kleiner Wassernapf, der ab und zu mal etwas überläuft, reicht. Wie alle Vogelspinnen, nehmen sie ihre Feuchtigkeit hauptsächlich durch die Nahrung auf.

Temperatur und Beleuchtung


Alle im Hobby vertretenen Vogelspinnenarten können bei Zimmertemperatur (um die 21°C) gehalten werden. Nur für bestimmte Arten, aus warmen bis heißen Regionen, empfiehlt sich tagsüber eine zusätzliche Wärmequelle in Form einer kleinen Lampe mit geringer Wattzahl. Beispiele für solche Arten, die gezielt warme Spots aufsuchen, sind Grammostola pulchripes, Poecilotheria metallica, Brachypelma smithi, Pterinochilus murinus und Chromatopelma cyaneopubescens.

Da normale Raumtemperatur jedoch in der Regel ausreicht, können die Terrarien auch einfach mit sehr sparsamen LED Lampen beleuchtet werden, welche so gut wie keine Wärme abgeben. Spezielle UV-Lampen sind bei Vogelspinnen nicht nötig.

Reinigung


Um sich das Leben leichter zu machen, empfiehlt es sich sehr, im Terrarium Springschwänze (Collembola) und Weiße Asseln (Trichorhina tomentosa) anzusiedeln, sofern der Bodengrund nicht trocken gehalten wird. Diese kleinen Helfer halten das Terrarium sauber und sind zu klein, um als Beutetier für die Vogelspinne in Frage zu kommen. Sie verhindern Schimmelbefall und fressen die Futterreste sowie den Kot der Vogelspinne. Kaufen kann man sie in diversen online shops (siehe Links).

Weiße Asseln (Trichorhina tomentosa)Weiße Asseln (Trichorhina tomentosa)


Bei trockener Haltung wird kein Schimmel entstehen. Kot und Futterreste trocknen einfach aus und können entweder im Terrarium gelassen oder mit Hilfe einer Pinzette entfernt werden.

Es sind also sowohl bei trockener als auch bei feuchter Haltung keine weiteren Reinigungsarbeiten notwendig. Lediglich bei Baumbewohnern, die gerne mal gegen die Scheibe koten, ist gelegentliches Scheibenputzen angebracht.

Futter


Vogelspinnen brauchen sehr wenig Futter, das spart Geld. Theoretisch kann eine Vogelspinne sogar mehrere Monate ohne Futter auskommen. Wenn man dennoch wöchentlich füttern möchte, sollte man darauf achten, dass der Hinterleib nicht zu groß/prall wird.

Als Futter kommen primär Insekten in Frage. Auch kleine Mäuse werden gerne genommen, wenn der Hunger groß ist. Das Verfüttern von Wirbeltieren wie Mäusen oder Ratten ist jedoch nicht nötig und wird daher von einigen Spinnenhaltern verachtet, auch wenn die Maus in der Natur zum Beutetier der Vogelspinne gehört.

Futtertiere, die nicht gefressen wurden, entfernt man nach Möglichkeit wieder aus dem Terrarium. So behält man die Kontrolle, wie viel die Vogelspinne frisst und verhindert, dass sie während einer Häutung von den Futterinsekten angefressen wird.

Übliche Futterinsekten für Vogelspinnen sind zum Beispiel:


Die meisten Schaben haben den Nachteil, dass sie sich vergraben. Mittelmeergrillen und Heimchen sind adult leider sehr laut. Kurzflügelgrillen sind so gut wie nicht zu hören, bleiben jedoch sehr klein. Ideal sind Steppengrillen, da sie relativ groß werden und nicht so extrem laut zirpen/stridulieren wie Mittelmeergrillen und Heimchen. Heuschrecken werden sehr groß, sterben jedoch bei vielen Haltern relativ schnell nach dem Kauf.

Eine kleine Dose mit ca. 25 Steppengrillen kostet etwa 2€. Nach dem Kauf empfiehlt es sich, den Futterinsekten frisches Bio-Obst (z.B. Apfelscheiben) oder Bio-Gemüse (z.B. Karotten und Kartoffeln) zu geben. Nachdem sich die Futterinsekten mit den gesunden Nährstoffen regelrecht "vollgetankt" haben, können sie an die Vogelspinne verfüttert werden. Damit die Futtertiere länger am Leben bleiben, setzt man sie in einen größeren Behälter. Als Bodengrund reicht eine 1cm hohe Schicht aus Haferflocken, darüber ein einfacher Eierkarton.

Steppengrillen auf einem Bio-Apfelgriebsch Grillen sind meistens in den Größen "micro", "klein", "mittel" und "groß" erhältlich, daher ist auch die Fütterung von Spiderlingen kein Problem.

Häutung


Wie schnell eine Vogelspinne heranwächst, hängt unter anderem von der Temperatur ab. Hält man Vogelspinnen etwas wärmer, wachsen sie in der Regel auch schneller. Wird das Exoskelett der Vogelspinne zu eng, leitet ihr Körper die Häutung ein. Spiderlinge häuten sich alle paar Wochen. Je älter eine Vogelspinne wird, umso länger werden die Abstände zwischen den Häutungen (mehrere Monate oder gar Jahre).

Für den Halter ist wichtig, dass die Vogelspinne während einer Häutung nicht gestört wird, da sie sonst den Vorgang abbrechen und sterben könnte.

Eine Häutung kündigt sich dadurch an, dass die Vogelspinne nichts mehr frisst. Stellt sie also das Fressen ein und es handelt sich nicht gerade um einen adulten Bock, dann ist sie entweder satt oder wird sich in den nächsten Wochen häuten. Manche Vogelspinnen ziehen sich bereits Wochen vor der Häutung in ihren Bau zurück und verschließen zum Schutz die Eingänge.

Häutung einer Vogelspinne (Grammostola pulchripes)Häutungsverlauf einer Vogelspinne (Grammostola pulchripes)Häutung einer Vogelspinne (Grammostola pulchripes)


Steht die Häutung unmittelbar bevor, webt die Vogelspinne meistens einen Häutungsteppich und legt sich mit dem Rücken oder der Seite auf diesen Teppich. Dann presst sie sich aus dem alten Exoskelett heraus, wobei dieser Vorgang eine Stunde und länger dauern kann.

Nach der Häutung braucht die Spinne etwa zwei Wochen, bis das neue Exoskelett ausgehärtet ist und innere Organe wie der Magen erneuert wurden. In dieser Zeit kann und wird die Vogelspinne kein Futter annehmen.

Verhalten


Jede Vogelspinne hat ihren eigenen Charakter, der sich ständig ändern kann und sie daher unberechenbar macht. Bestimmte Arten fallen jedoch dadurch auf, dass sie besonders ruhig, scheu oder selbstbewusst sind. Das beste Beispiel für eine sehr selbstbewusste Art ist die Pelinobius muticus, die sich einem vermeintlichen Störenfried auch gerne mal laut stridulierend entgegenstellt, während eine andere Art eventuell schon längst das Weite gesucht hätte. Eine Brachypelma smithi ist sehr ruhig, nicht wirklich scheu und oft zu sehen. Daher ist sie sehr beliebt und gerade für Anfänger geeignet. Die Pterinochilus murinus (RCF) ist dagegen sehr scheu und extrem schnell, baut dafür aber wirklich schöne ausgedehnte Gespinste.

Chromatopelma cyaneopubescens Vogelspinne (adultes Weibchen)Pterinochilus murinus RCF Vogelspinne (adultes Männchen)Pamphobeteus ultramarinus Vogelspinne


Krankheiten



Milbenbefall bei einer Vogelspinne (Spiderling)Milbenbefall bei Vogelspinnen (Spiderling)CO2-Behandlung bei einer Vogelspinne (Spiderling)


Gefahren


Vogelspinnen suchen nicht die Konfrontation. Wenn man sie nicht auf die Hand nimmt und bei Arbeiten im Terrarium aufpasst, besteht keine Gefahr, gebissen zu werden.

Gift


Ihr Gift ist außerdem zu schwach, um dem Menschen gefährlich zu werden. Es ist vergleichbar mit einem Bienenstich, wobei der Biss jedoch deutlich schmerzhafter ist und die Gefahr einer bakteriellen Infektion durch die Kieferklauen (Cheliceren) besteht. Für Allergiker kann ein Biss aber genau wie ein Bienenstich gefährlich werden. Außerdem gibt es bestimmte Vogelspinnenarten wie Pterinochilus spp. und Poecilotheria spp., die ein stärkeres Gift besitzen, welches kurzzeitig zu lokalen Lähmungserscheinungen und Hautrötungen führen kann.

Vogelspinnen Zähne (Cheliceren)Vogelspinnen in Drohstellung


Brennhaare


Einige Arten besitzen Brennhaare, die sie bei Störung mit den Hinterbeinen vom Hinterleib abstreifen und in die Luft wirbeln. Es handelt sich dabei um ein Abwehrverhalten, das oft auch als "bombardieren" bezeichnet wird. Diese kleinen Brennhaare sollte man nicht in die Augen/Körperöffnungen bekommen. Auf der Haut lösen sie (vergleichbar mit Brennesseln) teils heftigen Juckreiz und Blasenbildung aus. In den Augen können sie sich mit ihren Widerhaken in der Hornhaut festsetzen und zu Vernarbungen führen, wodurch die Sehfähigkeit verringert wird.

Bei Vogelspinnen kennt man sechs unterschiedliche Typen von Brennhaaren. Vor allem Typ III (u.a. zu finden bei Theraphosa spp.) und Typ IV ist für Menschen und Säugetiere sehr unangenehm.

Vogelspinne bombardiert (aufgewirbelte Brennhaare)Vogelspinne bombardiert (aufgewirbelte Brennhaare)Vogelspinne bombardiert (aufgewirbelte Brennhaare)


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